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Presseartikel in "Die Zinnfigur" Ausgabe Januar/Februar 2008 von Hanno Schmuck

Der Lotse geht von Bord

Achim Baensch zum 75. Geburtstag und zum Rücktritt von seinem Ehrenamt als 1. Vorsitzender des Förderkreis Goslarer Zinnfiguren Museum e.V.
Als am 16.Mai 1985, am Himmelfahrtstag, 30 Berliner Sammler zum Wochenende nach Goslar reisten, ahnte niemand etwas von den Folgen. Ein neues Zinnfigurenmuseum war zu eröffnen. Achim Baensch hatte wieder ein neues Projekt. Nach der erfolgreichen „Sommerakademie“ und den „Goslarer Kleinkunst Tagen „ sollten es nun Zinnfiguren sein, die er der Stadt und vor allem ihren zahlreichen Gästen nahe bringen wollte. Ich möchte gleich vorausschicken, es wurde, wie alles was Achim anfasste, ein Volltreffer. Am Samstag, den 18. Mai 85 war die feierliche Eröffnung. Unser Berliner Sammlerfreund Dr. Stephan Elbern hielt eine schöne Rede. Die Oberbürgermeisterin Frau Lattemann sprach. Achim natürlich und ich weiß nicht wer noch.

Und nun, am 18. November 2007, 22 Jahre danach fast ein ähnliches Bild. Der frisch gewählte Nachfolger im Amt des Förderkreises, Herr Dr. Uwe Thieme hielt die Laudatio und stellte die Ehrengäste und die nachfolgenden Redner vor. Die musikalische Umrahmung lag, wie vor 22 Jahren, in den Händen von Boris Bornhof und Karl Heinz Volkmann. Und wieder begannen sie mit der gleichen Lied wie damals: „Die Zinnfiguren sind….das Ringelnatz Gedicht, von Boris damals vertont. Großer Beifall! Dann spricht der Präsident der KLIO Dr. Wolfgang Weiß eine launige Dankesrede. Auch hier großer Beifall. Die Angestellten des Hauses, an der Spitze mit Wolfgang Frank, ein Glücksfall für das Haus, dankten ihrem Chef mit einem Zinnfiguren T-Shirt und zum Schluss kam der amtierende Goslarer Oberbürgermeister Herr Henning Binnewies zu Worte. Er wies unter Anderem auf den bevorstehenden Umzug des Museums in ein neues, noch besser platziertes Haus hin. Die beiden Gitarristen, Boris und Karl brachten es in einem selbstverfassten Lied noch einmal auf den Punkt „er tat mehr als seine Pflicht, ohne ihn, da ging es nicht.“ Herr Baensch war bei seinen Dankesworten ganz gerührt und fragte: „Haben die die ganze Zeit von mir gesprochen? War ich das alles?“ Es war ein würdiger Abschied.

Bleibt die Frage, wie kam es damals zu der Gründung eines Zinnfiguren Museums? Und wie kamen so viele Berliner Sammler nach Goslar und nahmen all die Jahre so lebhaften und tätigen Anteil am Gedeihen des Hauses in der Münzstr.11? Es klingt fast wie ein Märchen. Es trafen sich einmal einige verdienstvolle Bürger in einer Goslarer Kneipe, von denen einer Zinnfiguren sammelte. So nebenbei, denn eigentlich galt seine ganze Liebe der Modernen Kunst. Der hat er dann auch mit dem Mönchehaus Museum in Goslar eine würdige Heimstätte geschaffen. Jedenfalls nahm der freundliche Mann einen Bierdeckel und schrieb darauf eine staatliche Summe und seinen Namen darunter. Auf die Skepsis der Runde sagte er nur: „ Bei meiner Unterschrift zahlt die Goslarer Bank auch auf einen Bierdeckel aus!“ Womit er Recht hatte. Dieser Bierdeckel und die Figuren des Spenders waren das Startkapital
Für Achim Baensch. Er selbst war kein Sammler und ist es auch bis Heute nicht geworden.

Geht das überhaupt? Wie ist das möglich? fragt man sich als engagierter Sammler? Und wie das ging! Natürlich nicht ohne zusätzliche Zinnfiguren und hier kommen die Berliner in die Geschichte. Ein großer Verein, voller Energie im alten Westberlin. Aber vom Rest Deutschlands durch Stacheldraht und Grenzschikanen abgetrennt. Achim Baensch bot uns mit seinem Haus eine Bühne für unsere Figuren und mit der Heimvolkshochschule eine bezahlbare Begegnungsstätte mit anderen Sammlern. Eine Möglichkeit aus der Enge Westberlins auszubrechen, was begeistert angenommen wurde. Abgesehen von den Beiträgen zum Hauptthema des Museums, dem Tausendjährigen Goslar, kam es, wenn ich mich recht erinnere, zu etwa ein Dutzend Sonderausstellungen der Berliner Sammler. Wobei auch andere Sammler willkommen waren, wie z.B. Dr. Weiß. Es begann 1985 mit der „Antike in Zinn“, 1986 „Vom Saurier zur Hochkultur“ die Entwicklung der Menschheit. „Bilder aus dem Mittelalter“ folgte und 1992, nun mit Sammlerfreunden vom anderen Ufer der Spree vereint: „Eintracht und Zwietracht“ Versuche der Deutschen zur Einheit. Viele erfolgreiche Ausstellungen kamen noch, wie „Pharaonen in Zinn“, „ROM Aufstieg und Niedergang eines Weltreiches“ und als letztes, zum 20. Jahrestag des Hauses: „Herrscher. Helden und Propheten“. Von Gilgamesch bis Golgatha. Inzwischen kamen auch andere Landesgruppen und nach der Wende die Leipziger Sammlerfreunde. Dieses Haus wurde auch zu einer internationalen Begegnungsstätte der Zinnfreunde. Dr. Weiß sagte in seiner Rede: „ Bei allen Ausstellungen hat sich gezeigt, dass dieses Haus nicht nur das Schönste ist, sondern vor allen Dingen das Kreativste.“

Das hat aus meiner Sicht zwei gute Gründe, 1. Achim Baensch hatte als bekennender Nicht-Zinnfigurensammler immer den nötigen Abstand, den man zur Übersicht braucht. Ein leidenschaftlicher Sammler, verliebt in seine Figuren, neigt bei der Präsentation zu Übertreibungen oder zur Bevorzugung einer, seiner Lieblingsepoche. Solche Enthusiasten muss man einfach lieben, aber nicht mit der letzten Entscheidung betrauen. Zweitens hatte Achim Baensch eine glückliche Hand in der Auswahlseiner Mitarbeiter und Freunde. Er hielt sich im Kleinen wohltuend zurück ließ z.B. seinen kreativsten Mitarbeiter Wolfgang Frank freie Hand. Nur die besten sammelten sich um Achim, der den Rahmen absteckte, aber die Ausführung und die Details den Sammlern überließ.

Kein Wunder, ist er doch, wie er gern betont, geborener Republikaner. Im November 1932 bestand noch die Weimarer Republik. Wenn auch nur noch 2 Monate. Vielleicht kommt daher seine demokratische Grundeinstellung und sein soziales Verhalten.

Lieber Achim, ich wünsche Dir im Namen aller Zinnfigurenfreunde noch viele glückliche Jahre an der Seite Deiner wichtigsten und liebsten Mitarbeiterin, Deiner Frau Antje, und ich wünsche Dir und uns ein langes und erfolgreiches Weiterbestehen des Goslarer Zinnfigurenmuseums, Deines Lieblingskindes. Du hast Dich um die Zinnfigur verdient gemacht!