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HISTORISCHES
ZINNFIGUREN
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G  O  S  L  A  R
 
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Braunschweiger Zeitung am 23.08.2008, von Volker Röpke
 

Kaiser, Könige und Feldherren in Millimetergröße

Die Geschichte Goslars und der Harzregion wird im Maßstab 1:55 lebendig – im Zinnfiguren-Museum Goslar

 

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Eine prachtvolle Aufnahme im Zinnfiguren-Museum: Der Heerzug von Feldherrn Tilly, Anführer der Truppen der katholischen Liga während des Dreißigjährigen Krieges, kommt vollplastisch und in einer Größe von 54 Millimeter daher. Die meisten Figuren im Museum sind flach und nicht größer als 30 Millimeter.


 
Barbarossa, Karl der Große oder Feldherr Tilly, der mächtige Heerführer der katholischen Liga im Dreißigjährigen Krieg – sie sind auferstanden. Sie herrschen in der Lohmühle in Goslar. Jeder von ihnen 30 Millimeter groß und aus Zinn, genau wie ihre Untertanen. Ihre Reiche finden Platz auf 320 Quadratmetern: im Goslarer Zinnfiguren-Museum.Die Geschichte Goslars und der Harzregion wird hier aufgeführt. Die Hauptdarsteller treten im Maßstab 1:55 auf. Ihre Bühnen sind Dioramen, originalgetreue Landschaftsnachbildungen, wie sie sich sonst Modell-Eisenbahnfans in ihre Keller bauen.

Jede Miniaturwelt hinter Glas hat ein eigenes Thema

 
Jede Miniaturwelt hinter Glas hat ein Thema: das kaiserliche Goslar, den Bergbau am Rammelsberg, den Dreißigjährigen Krieg oder Goslars Bedeutung als kirchliches Zentrum im frühen Mittelalter. „Wir haben sogar Dioramen zur deutschen Rechtsgeschichte. Die müssen aber erst noch aufgearbeitet werden, ehe wir sie aufstellen können“, sagt Antje Baensch, die ehrenamtliche Museumsleiterin. Ehrenamtlich? Jawohl: Für den Betrieb des Museums sorgen, neben einem einzigen festangestellten Mitarbeiter, eine Handvoll Mitglieder des 1984 gegründeten Förderkreises Goslarer Zinnfiguren-Museum. Das gleichnamige Museum zu führen – das ist der in der Satzung festgelegte Zweck des Vereins. Den Gründern ging es darum, Kultur und Geschichte einer Stadt und ihrer Region einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

 
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So sieht die Gussform aus: Museumsdirektorin Antje Baensch zeigt eine Form, mit der das Goslarer Wappen in Zinn gegossen werden kann.



Die Zinnfiguren sollen Geschichte vermitteln

 
Ein Mann der ersten Stunde Joachim Baensch, der Ehemann der jetzigen Museumsleiterin. Er war zuvor jahrelang in der Erwachsenenbildung tätig und wusste um den didaktischen Wert der Zinnfiguren. Über die filigranen Miniaturen sollte anschaulich Geschichte vermittelt werden. „Zinnfiguren eignen sich hervorragend, um komplexe Sachverhalte darzustellen“, meint Antje Baensch. Ein Jahr nach der Gründung des Klubs eröffnete das Museum im Weißen Schwan, einer ehemaligen, von der Stadt zur Verfügung gestellten Gaststätte. Der Zinnfiguren-Sammler Peter Schenning sorgte mit einer Spende von 10000 Mark für das Startkapital, Wolfgang Frank – damals arbeitsloser Tischlermeister und Innenarchitekt, heute einziger festangestellter Mitarbeiter – kümmerte sich um die Einrichtung und die Dioramen. Die ersten Zinnfiguren im Weißen Schwan waren Sammlerleihgaben aus Berlin. Inzwischen stellen die Mitglieder, über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen tätige Personen und Ein-Euro-Jobber im Museum selbst Zinnfiguren her. Es befindet sich seit Mai dieses Jahres in der restaurierten Lohmühle. Barbarossa und Co. entstehen in drei Schritten: Erst werden geschichtliche Quellen zu Rate gezogen, um Stellung und Aussehen der jeweiligen Person in der Gussform möglichst genau nachbilden zu können. Für die überwiegend im Museum präsentierten flachen Zinnfiguren werden Schieferformen benötigt. Sind vollplastische Miniaturen gefragt, ist die Form aus Metall oder Silikon.

In drei Schritten entstehen Kaiser und Bergmänner

 
Der zweite Schritt ist der Guss. Anschließend werden die Figuren mit Öl- oder Acrylfarben bemalt. Eine anwechslungsreiche Beschäftigung, weiß Ein-Euro-Jobber Michael Gieseberg. „Die Motive ändern sich täglich: Bergmänner, Kaiser, aber auch Comic-Motive“, sagt Gieseberg. Kleindarsteller aus der Comic-Welt werden in der Sonderausstellung „Manga, Fantasy, Science-Fiction“ zu sehen sein, die Ende März 2009 eröffnet werden soll. Noch in diesem Jahr möchte das Zinnfiguren-Museum drei Computer-terminals für die Besucher einrichten. Möglich wird die Investition durch eine 30000-Euro-Spende der niedersächsischen Sparkassen-Stiftung. Museumspädagogik – unter diesem Stichwort stehen die die PC-Informationsangebote mit Filmen, Fotos und Texten. „Die Wahrnehmungsgewohnheiten der Besucher haben sich gewandelt. Darauf müssen wir reagieren“, sagt Antje Baensch. Reagieren müssen die Museumsmacher auch auf ihr Alter. Wir Aktiven sind leider, abgesehen von zwei noch berufstätigen Mitgliedern, inzwischen Rentner. Wir brauchen Nachwuchs“, so die Museumsleiterin. Eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft sei daher, junge Menschen für eine Mitarbeit im Förderkreis zu begeistern.

 
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Mit Lupe und Pinsel: Michael Gieseberg bemalt eine Eule aus Zinn.