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Goslarsche Zeitung, 23. März 2011

„Hier fehlt die soziale Fantasie“

 Kulturschaffende machen mit Transparenten, Trillerpfeifen und Trommeln auf ihr Anliegen aufmerksam

 300 Demonstranten zählte die Polizei gestern Nachmittag vor dem Rathaus. Die Bürger, in der Mehrheit Vertreter verschiedener kultureller Einrichtungen der Stadt, setzten mit ihrer Anwesenheit ein Zeichen gegen die Kürzungen im städtischen Kulturetat und für den Erhalt der Kultur im Weltkulturerbe.

 

300 Kulturbegeisterte – sind das viel, sind das wenig? Für Mitorganisator Dieter Freesemann von der Kulturinitiative waren es genug: “Ich bin nicht enttäuscht“, versicherte er angesichts der Tatsache, dass mit der Rettung der Theaterpädagogik zunächst etwas Druck  entwichen war. „Das war eine machtvolle Kundgebung, die dem letzten Ratsherren deutlich machen sollte, dass die Kulturschaffenden sich nicht einschläfern lassen. Wir werden und jeden einzelnen Posten der  Streichliste vornehmen – die Theaterpädagogik war nur der Auftakt.“

„Kultur ist doch alles in dieser Stadt, wir sind doch Weltkulturerbe“, sagt Vera Rabsilber, deren Herz auch für die moderne Kunst schlägt. Uwe Henrich, Vorsitzender des Freundeskreise Paul Lincke, bemängelte: „Hier fehlt die soziale Fantasie. Einfach zu sagen, wir haben kein Geld, das ist in dieser Stadt nicht angemessen.“

Stark vertreten war unter anderem das Zinnfigurenmuseum, das mit musikalischer Unterstützung des Drumcorps Goslar auf dem Marktplatz eintraf. „Jetzt haben wir auch ein bisschen Krach dabei, das ist gut“, sagte Annelies Tschupke. Die Vorsitzende der Seniorenvertretung war lange Jahre Vorsitzende des Kulturausschusses: „Damals gab es einen breiten Konsens, dass Kultur der Hege und Pflege bedarf“, berichtete sie – „Kultur hatte Stellenwert.“ Renate Grüne („Wer steht denn hier nicht auf der Gruselliste?“) hatte gleich zwei Sticker an der Jacke: Einen für „Goslar mit Energie“ und einen der Freunde des Odeontheaters, die zusammen mit den Aktiven der Theaterpädagogik ebenfalls zahlreich vertreten waren und trotz des (positiven) Fortgangs der Ereignisse noch einmal Solidarität mit Axel Dücker demonstrierten. Gerade die jungen Studenten fanden deutliche Worte: „Wölfe im Ratspelz“ stand auf ihrem Schild, „Kulturmörder“ auf der Rückseite.

„Was soll aus uns werden ohne Kultur?“ fragten die Tänzerinnen von Benita Rohr auf ihrem Plakat, die zehnjährige Leonie Landfeld hatte ein Vorfahrt-Schild für die Kultur gebastelt. Über Lautsprecher verwies Carsten Jelinski auf den Verfassungsrang der Kultur in Niedersachsen: „Kultur ist für alle da, wir sind die Kultur!“ Trillerpfeifen pfiffen Beifall.

„Wir sind mit 8 Leuten hier, nächstes Mal kommen wir mit mehr“, versprach Bettina Warnecke von der Bürgerbücherei Jürgenohl, deren Zuschuss ebenfalls auf der Kippte steht. „Die Bücherei läuft, wir bekommen immer noch mehr An-  als Abmeldungen. Sechs Jahre Arbeit und jetzt sollen wir dicht machen?“ Ihr Frust steht stellvertretend für den Frust vieler in diesen Tagen.