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HISTORISCHES
ZINNFIGUREN
M  U  S  E  U  M
G  O  S  L  A  R
 
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Lotto aktuell, 47. Ausgabe, November 2010

 

Faszination Zinnfiguren:

Mit den Details der Welt auf Augenhöhe… 

Kunsthandwerk, didaktisches Spielzeug, Kulturgut, ästhetisches Vergnügen – all das ist die Zinnfigur. Seit gut zweitausend Jahren gibt es die Miniaturen aus Metallguss, die Menschen, Tiere, Pflanzen, Götter- und Fabelwesen, Szenen, Gebäude und Fahrzuge darstellen, kurz: die ganze reale wie phantastische Welt im handlichen Format und dreidimensional abbilden. Und ganz sicher ist ein Motiv zum Sammeln, vor allem aber zum eigenen Gießen und Bemalen der Miniaturen immer auch ein „Begreifen“ der Natur- und Menschheitsgeschichte, ein Nachschöpfen im Wortsinn. Nicht zu vergessen der Sammlerstolz beim Präsentieren der Figuren, häufig in landschaftlichen Szenen, den Dioramen. 

Von der Spanschachtel … 

Zinnfiguren findet man bereits im Altertum. Die bislang älteste bekannte deutsche Zinnfigur stammt indes aus dem frühen 13. Jahrhundert und wurde bei Magdeburg entdeckt. Zu jener Zeit dienten Metallminiaturen, meist aus Zinnlegierungen, noch vornehmlich als Pilgerzeichen und Talisman.

Etwa ab 1550 war die Zinnfigur Bildungs- und Erziehungsmedium der führenden Gesellschaftsschichten. Nürnberg, dann auch Fürth und Kiel waren mit einer Vielzahl von Werkstätten Zentren der Entwicklung und Herstellung; Weltmarktführer war über lange Zeit die Nürnberger Offizin Heinrichsen. Die weltgrößte Spielwarenmesse in Nürnberg geht tatsächlich auf diese einstige Vorrangstellung zurück.

Mitte des 18. Jahrhunderts trat die Zinnfigur als massengefertigte Spielware in der typischen Spanholzschachtel ihren Siegeszug in die Kinderzimmer an; erst durch den Kunststoff als Spielwarenmaterial ab 1950 wurde suie wieder zur kulturhistorisch anspruchsvollen sowie haptischzeizvollen Sammlermodell für ein vornehmlich erwachsenes Publikum. Und gerade in jüngster Zeit erlebt sie eine neue Blüte durch Strategiespiele wie „Warhammer“. Zinnfiguren gibt es heute als vollplastische, halbplastische und Flachfiguren, die gängigsten Formate liegen zwischen 30 und 100 mm Figurenhöhe.

Autoren wie Joachim Ringelnatz oder Hans-Christian Andersen (sprichwörtlich sein „Standhafter Zinnsoldat“) setzten den kleinen Kunstwerken literarische Denkmale, die meisten historischen Museen nutzen Schaubilder mit Zinnminiaturen zur Illustration einzelner Themen. Doch gibt es neben temporären Ausstellungen auf Sammlertreffen auch mehrere Museen, die sich speziell mit der Zinnfigur mit all ihren Facetten widmen. 

… ins Museum! 

Alle zwei Jahre findet im fränkischen Kulmbach eine internationale Zinnfigurenbörse statt, bei der sich Sammler und Anbieter aus aller Welt treffen. Und dort befindet sich auf der Plassenburg auch das Deutsche Zinnfigurenmuseum mit der weltfgrößten Sammlung an Figuren wie Dioramen. In Norddeutschland ist es die Stadt  Goslar, deren 500 Jahre alte Lohmühle wohl das schönste Zinnfigurenmuseum beherbergt. Hier können die Besucher das Weltkulturerbe Goslar, die Altstadt und den Bergbau anhand von rund 50 liebevoll gestalteten Zinnfiguren-Dioramen mit Hunderten von Figuren erleben.

Anschaulich wird den großen und kleinen Besuchern viel über die tausendjährige Geschichte der Stadt am Harz und damit deutscher und abendländischer Historie erzählt, von den Kaisern des Hochmittelalters über Goslar als „Rom des Nordens“ bis hin zur Sozial- und Kulturgeschichte Europas.

 Ausprobieren!

 Jährliche Sonderausstellungen wie beispielsweise zum Thema Antike runden das Angebot ab. Und auch die Entwicklung der Zinnfigur vom Kinderspielzeug zum Sammlerobjekt wird in mehreren Vitrinen dargestellt, während im Eingangsbereich gleich 30 klassische Märchenszenen die Besucher empfangen.

Das Museum bietet während und außerhalb der normalen Öffnungszeiten Führungen für Gruppen an, bei denen auch Zinnfiguren gegossen und bemalt werden können: Ein vorbildliches Konzept aus Anschauen und Selbermachen, eine Einladung auch zur Schärfung des Blickes auf die Details der Welt – und einfach ein Erlebnis für alle Altersgruppen. Im Winterhalbjahr Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr geöffnet, beträgt der Eintrittspreis 4, ermäßigt 2 Euro, Kinder unter 6 Jahren frei. Alle Infos unter Tel. 05321/2 58 89 oder im Internet unter www.zinnfigurenmuseum-goslar.de

Und auch unter diesen Adressen kann man sich der faszinierenden Welt der Zinnminiatur nähern: KLIO, die Deutsche Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren e. V. ist unter www.zinnfiguren-klio.de  zu erreichen; die Vereinigung Freie Zinnfigurensammler e. V. unter www.vfz-ev.de.