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HISTORISCHES
ZINNFIGUREN
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Goslarsche Zeitung, 24.September 2010

 

Von Null auf 10 000 in 25 Jahren

 Zinnfigurenmuseum existiert seit einem Vierteljahrhundert – Anfangs „mit Leihgaben über Wasser gehalten“ 

Und plötzlich war sie da, die Idee von Joachim Baensch, Goslars Geschichte anschaulich darzustellen. Vor 25 Jahren hat der Historiker und Erwachsenenbildner die Zinnfiguren für sich entdeckt. Nun musste nur noch ein Mitstreiter gesucht werden, der helfen sollte, ein Museum zu errichten, das beides miteinander verbinden sollte. Unterstützung erhielt er von seiner Frau Antje Baensch, Gründungsmitglied des Trägervereins und seit zwei Jahren dessen Vorsitzende.

Achim Baensch erstellte ein  Konzept und trat damit an die Stadt heran, um passende Räumlichkeiten zu finden. „Der Weiße Schwan stand leer. Über einen Freund haben wir dann den Tischlermeister Wolfgang Frank kennen gelernt. Er hat von Anfang an geholfen, das Museum aufzubauen und mitzugestalten“, erzählt die ehrenamtliche Museumsleiterin.

 Die Anfänge 

Im Mai 1985 öffnete das Zinnfiguren-Museum seine Pforten im „Weißen Schwan“ einst Herberge für die Ausstellung „Haus der Tiere“. Zu Beginn ohne eine einzige Zinnfigur, musste sich das Museum ein Jahr lang mit Leihgaben über Wasser halten. Die erste Sonderausstellung hieß „Die Antike in Zinn“. „Diese Ausstellung hatten wir kurz zuvor im Berliner Antikenmuseum besichtigt. Die Arbeit hat uns sehr beeindruckt und wir haben einfach gefragt, ob die Ausstellung auch zu uns kommen kann“, erinnert sich die Museumsleiterin.

Nach einem Jahr haben sich dann Mitstreiter gefunden. Ulrich Albers, Leiter des Stadtarchivs, hat den geschichtlichen Hintergrund für eine Ausstellung geliefert. Weitere ehrenamtliche Mitarbeiter bauten die Glas- und Schaukästen, so genannte Dioramen. „War haben dann Figuren eingekauft und Szenen ausgesucht, die dargestellt werden sollten“, so Antje Baensch, Zinnfiguren in Schaubildern seien ein wunderbares Medium, um komplexe historische Situationen darzustellen, schwärmt sie. „Es sollte eine Ausstellung für Erwachsene mit historischen Interesse an der Stadt Goslar als auch für Kinder werden.“ 

Auftrieb durch die Expo 

Im Jahr 2000 bekam das Zinnfiguren-Museum einen Zuschuss von 100 000 DM. „Zur Expo konnte dann auch unsere Goslar-Ausstellung verbessert werden“, berichtet die Museumsleiterin. Die damalige Sonderausstellung hieß „Meilensteine der Technik“.

2004 kam dann die Idee, in die Lohmühle umzuziehen. Vier Jahre später wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Wolfgang Frank und ein weitere Helfer haben dafür viel Zeit investiert, um die Vitrinen aufzubauen. Seit 2008 „wohnen“ die Zinnfiguren nun in der Lohmühle. „Dadurch wurden wir für Touristen besser erreichbar, die Besucherzahlen steigen“, sagt Baensch.

Die Rentnerin will auch in Zukunft ehrenamtlich weiter im Zinnfigurenmuseum tätig sein. „Wenn man die Einträge im Gästebuch liest und merkt, dass unsere Besucher so begeistert sind, dann ist das für mich Motivation genug, noch ein paar Jahre dranzuhängen“, sagt Baensch. Kindergeburtstage, Schulklassen-Aktionen und andere museumspädagogische Veranstaltungen konnten im Vergleich zu 2009 um über 50 Prozent gesteigert werden. Trotz positiver Bilanz stehen ein paar Wünsche für die Zukunft an: „Wir brauchen unbedingt eine neue Audioführung.“ Im „Weißen Schwan“ hätten sie diese gehabt, so Baensch. Diese Anschaffung stehe im nächsten Jahr an, dann jedoch mindestens deutsch- und englischsprachig. 

Goslars Geschichte

Die Gründer fingen bei Null an, heute warten etwa 10 000 Zinnfiguren in mehr als 50 Dioramen darauf, betrachtet und bewundert zu werden. Aktuell findet der Besucher in der Lohmühle eine Dauerausstellung zur Goslarer Geschichte mit den Bereichen kaiserlich, kirchlich und bürgerlich, mit dem Rammelsberger Bergbau, mit Szenen aus dem 30jährigen Krieg, mit dem Großddiorama „Die Schlacht bei Lutter am Barenberge“. Jedes Jahr bietet das Zinnfigurenmuseum, inzwischen längst ein international beachtetes, kulturhistorisches Spezialmuseum, zwei unterschiedliche Sonderausstellungen an. Für die ganze Familie gibt’s außerdem eine Märchenausstellung mit dem beliebten Quiz.

 Geschichte der Zinnfigur 

50 Sonderausstellungen wurden bisher im Zinnfigurenmuseum arrangiert. Die neueste Sonderausstellung „Vom Kinderspielzeug zum Sammelobjekt“ ist noch bis Mai 2011 geöffnet.

„Das Zinnfigurenmuseum ist kein Museum, in dem man nur etwas anschauen kann“, betont Baensch. Die Besucher haben auch die Möglichkeit, Zinnfiguren zu bemalen und mit nach Hause zu nehmen.

 Sonderausstellung „Vom Kinderspielzeug zum Sammelobjekt“

 Die Sonderausstellung „Die Karriere des standhaften Zinnsoldaten – Vom Kinderspielzeug zum Sammelobjekt“ wurde von zwei Zinnfigurensammlern, Hanno Schmuck und Erwin Gronwaldt, beide aus Berlin, konzipiert.

Die Zinnfiguren von Hanno Schmuck wurden neu bemalt, unter der Farbe jedoch stecken Raritäten, Einzelstücke.

Erwin Gronwaldts Figuren sind dagegen in Originalbemalung erhalten. Hier wird gezeigt, wie Kinder früher mit den Figuren gespielt haben. Ein Piratenschiff, ein Hansehafen und eine Szene mit Indianern sind nur einige Beispiele für die bunten Dioramen. In einem Diorama bestehen die Figuren (Indianer) nicht aus Zinn, sondern aus Elastolin, welches in Zinnformen gegossen wurden.

Besuchen kann man diese Sonderausstellung noch bis Mai nächsten Jahres. Das Zinnfigurenmuseum Goslar hat dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.