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Goslarsche Zeitung, 30. März 2010

 

Stolz auf Mini-Bergkanne

Nachbildung ist nur 7,5 Zentimeter groß – Herstellung eine Herausforderung

 

Nur siebeneinhalb Zentimeter misst sie, besteht aus drei kleinen Einzelteilen und ihre Herstellung dauert mehr als drei Stunden: Die Rede ist von der Miniatur-Ausgabe der Goslarer Bergkanne.

Das 75 cm große Original ist momentan Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Goslarer Museum. Direkt gegenüber im Zinnfigurenmuseum entsteht die kleine Ausgabe der originalen Goslarer Bergkanne aus dem 15. Jahrhundert.

Aus Fimo geformt

 „Es war schon eine Herausforderung für mich, eine so kleine Kopie herzustellen“, sagt Alain Gendre vom Zinnfigurenmuseum. Der gelernte Schauwerbegestalter hat das Mini-Modell aus Fimo geformt – „alles mit den Händen und Schaschlikspießen“, sagt Gendre. Besonders wichtig sei ihm dabei gewesen, die elf typischen Rundungen am Sockel der Bergkanne originalgetreu wiederzugeben. „Dafür habe ich eine halbe Abdeckklappe eines Pinsels genommen, das hat genau gepasst“, erzählt Gendre schmunzelnd. „Man kann nicht im Internet nach Anleitungen zur Herstellung suchen, sondern muss sich rantasten und ausprobieren. Die erste Fassung sah deswegen auch eher wie eine Teekanne aus.“

Nachdem das Modell aus Fimo hergestellt war, bestehend aus Hauptcorpus, Adler-Spitze und Griff, konnten die Formen aus hitzebeständigem Silikon angefertigt werden. Wichtig dabei sind Gusskanal und Luftkammer, so dass die Zinnlegierung auch unbeschadet in die Form und als Ganzes wieder herauskommt.

„Mit der Silikonform können wir etwa 200 Mini-Bergkannen herstellen“, sagt Wolfgang Frank vom Zinnfigurenmuseum, zuständig für Form und Guss. „Wenn die Nachfrage weiterhin so stark bleibt, werden wir bald über ein zweites Set nachdenken, um parallel produzieren zu können.“ Nachdem die drei Einzelteile bei einer Temperatur von rund 320 Grad Celsius gegossen wurden, müssen sie abkühlen. Danach geht’s weiter zum Zusammensetzen: Wolfgang Frank arbeitet die Konturen der Teilchen mit einer Fräsmaschine nach und poliert sie daraufhin mit Stahlwolle. Dann werden Griff und Adler-Spitze an den Hauptcorpus angelötet. 

Auf alt getrimmt

Um die Mini-Kanne, Maßstab eins zu zehn, auf alt zu trimmen, färbt Gendre sie mit schwarzer Patina-Farbe. Ist diese entfernt, wird die Kanne poliert. „So sieht sie gebraucht aus, denn das Dunkle setzt sich in den Vertiefungen ab“, sagt Gendre. Letzter Schritt ist es dann, goldene und blaue Kunstharzfarbe auf die Kanne zu pinseln.

„Wir waren erst skeptisch, als Mitarbeiter des Goslarer Museums anfragten, ob wir eine Mini-Bergkanne aus Zinn herstellen könnten“, erinnert sich Antje Baensch, Leiterin des Zinnfigurenmuseums. „Es war auch das erste Mal überhaupt, dass wir so etwas angefertigt haben.“ Nun sei sie „mächtig stolz“ auf ihre Mitarbeiter, die die kleinen Kannen gießen, zusammenlöten und bemalen.

Jedes Teil ist ein Einzelstück zum Preis von 18 Euro. „Wir sind immer bemüht, das Qualität hier rausgeht“, sagt Wolfgang Frank. Gendre erinnert sich gerne an den Verkauf des ersten Exemplars: „Das lag hier noch feucht auf dem Tisch und wir haben es mit einem Fön getrocknet.“