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Goslarsche Zeitung 26. März 2010-04-06

Völker, Fakten, Phantasien 

Am Sonntag eröffnet im Zinnfigurenmuseum die Ausstellung „Rund um Troja“

 Recht emanzipiert wirkt die Königin Nofretete in ihrem Sportwagen. Vorbei an ägyptischen Zivilfiguren und uniformierten Straßenpolizisten heizt die Herrscherin durch die staubigen Straßen Altägyptens. Hineingezogen wird der Betrachter in die Szenerie unter dem Namen „Ausfahrt der Nofretete aus Tell el-Amarna“ – und vergisst dabei für einen Moment, dass Nofretete und ihre zweidimensionalen Begleiter nur rund 90 Millimeter messen und aus Blechdosen gefertigt sind.

Die Ausfahrt der Nofretete ist Teil der Ausstellung „Rund um Troja – Völker, Fakten und Phantasien um 1250 v.Chr.“, die am Sonntag um 11:30 Uhr im Goslarer Zinnfiguren-Museum eröffnet und ein Jahr zu sehen sein wird. Kulturhistorische Zinnfiguren in zu Vignetten geordneten Gruppen, in Dioramen und in einer Tischaufstellung entführen den Museumsbesucher in die fremde Welt des Altertums um 1250 v. Chr. Das Motto lautet „Zinnfiguren erzählen Geschichte und Geschichten“. Eine Geschichte, die wohl jeder mit Troja verbindet, ist die Ilias des Homer: In seinen Versen beschreibt der Dichter, wie die Griechen zehn Jahre lang vergeblich die Festung Trojas belagerten, bis sie schließlich das bekannte hölzerne Pferd bauten – der Rest ist Geschichte. Szenen wie der Raub der Helena, Achilles Tod oder die Auffindung des Moses stellen die Zinnfiguren in den Vitrinen des Zinnfiguren-Museums dar.

„Man entdeckt immer wieder etwas Neues, wenn man sich die Figuren anschaut, das macht den Reiz der Sache aus“, sagt Werkstattleiter Wolfgang Frank. Er hat seit Mitte vergangener Woche die detailverliebte Ausstellung, zu der mehr als 3000 Einzelfiguren gehören, im oberen Stockwerk des Zinnfigurenmuseums aufgebaut. Getreu dem Motto „Fakten und Fantasien“ zeigen verschiedene Figuren das Trojanische Pferd in verschiedener Interpretation: „Als Fakt gilt die Kriegsmaschine, aus dieser Form kann sich die Fantasie der Darstellung als Pferd entwickelt haben“, erklärt Museumsleiterin Antje Baensch mit Blick auf zwei Darstellungen des Trojanischen Pferdes: einmal nach Homer und einmal aus historischer Sicht als Kriegswaffe.

Konzipiert hat die Ausstellung ihr Leihgeber, Dr. Wolfgang Weiß aus Edingen-Neckarhausen. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft der Freunde und Sammler kulturhistorischer Zinnfiguren e. V. (KLIO) und kommt am Sonntag zur Eröffnung der Ausstellung nach Goslar. Zudem wird Museumsleiterin Antje Baensch einige Worte zum 25-jährigen Bestehen des Zinnfiguren-Museums sprechen und dabei Wolfgang Frank ehren, der seit Beginn als Werkstattleiter dabei ist. Borris Bornhof, Ehrenmitglied des Förderkreises Goslarer Zinnfiguren-Museum, hat zur Ausstellungseröffnung das Zinnfigurengedicht von Joachim Ringelnatz vertont, in dem es passend heißt: „Die Zinnfiguren sind Verbindung zwischen Kunst und Kind/ Sie schildern alle Zeiten/ Sinnvoll, mit Liebe aufgestellt/ Zeigt das im Kleinen große Welt.“