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HISTORISCHES
ZINNFIGUREN
M  U  S  E  U  M
G  O  S  L  A  R
 
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Berliner Zinngeflüster, Nr.112 * Juni 2008
 

Neueröffnung des Goslarer Zinnfiguren-Museums


Am 3.Mai 2008 wurde das Goslarer Zinnfiguren-Museum nach seinem Umzug am neuen Ort in der Lohmühle eröffnet. Der neue Vorsitzende des „Förderkreises Goslarer Zinnfiguren-Museum“ Dr.Uwe-Ekkehard Thieme begrüßte die Gäste, darunter den Goslarer Oberbürgermeister Henning Binnewies. Musikalisch untermalt wurde die Feier, wie immer, von Borris und Johannes. Auf Einladung der ehrenamtlichen Museumsleiterin, Antje Baensch, hielt Hans-Rudolf Schmuck, Mitglied der Klio Berlin, den Festvortrag.
„Herr Oberbürgermeister Binnewies, Herr Dr. Thieme, Herr Fürst, meine Damen und Herren und last but not least, liebe Antje und Achim Baensch und Wolfgang Frank – Du gehörst immer dazu, Wolfgang.
Ich soll Ihnen etwas zur Sache sagen. Ich hab’ doch gar nichts zu sagen. Es trifft immer die Kleinen. Also ich kann Ihnen höchstens etwas erzählen. Von den Sammlern und Deutschlands schönstem Zinnfiguren-Museum.
Also erst noch ein Wort zum neuen Haus: Die Lage am Museumsufer – sehr gut! Die alte Lohmühle, das neue Haus – soweit das überhaupt möglich ist, noch besser als das alte in der Münzstraße. Die Inneneinrichtung: Eine Augenweide, sogar die Toilette. Die Vitrinen – sauber und zweckmäßig. Zu Form und Beleuchtung könnte ich mir das eine oder andere auch anders vorstellen, aber wir wollen nicht krittelig sein. Es ist wunderschön geworden! Das freche Wort von Deutschlands schönstem Zinnfigurenmuseum, vor langer Zeit in Kulmbach in die Welt gesetzt, zum Ärger bayrischer Museumsbeamten – hier hat es sich ein zweites Mal auf das Überzeugendste bestätigt. Die Sammler haben das schon immer so gesehen.
Überhaupt, die Zinnfigurensammler! – Oh je! – Ich muss natürlich in Berlin alles berichten, wie auch schon von Achims Abschied im letzten November. ‚Wer ist denn der neue Vorsitzende?’, wurde ich gefragt. Herr Dr. Thieme, ein Radiologe. ‚Das ist gut für die Werbung’, sagte ein Sammler. ‚NDR oder WDR?’ Er wurde aufgeklärt. – Zinnfigurensammler. Sie merken ich vermeide das Wort Zinnsoldat. Warum, muss ich in diesem Kreis nicht erklären. Natürlich will niemand die Geschichte umschreiben und den Krieg ganz verbannen. Nur bitte auch nicht falsch gewichten. Die wirklich bedeutenden Ereignisse sind die großen Erfindungen und Erkenntnisse der Menschheit und dazu gehört nicht das Schießpulver oder die schiefe Schlachtordnung. Auch ein Grund, warum ich mich hier, in diesem Kreis immer zu Hause gefühlt habe. Hier waren die großen ‚Schlachteplatten’ nie der Mittelpunkt.
Aber zurück zum Sammler: Was ist ein Zinnfigurensammler? Ist er kindisch? Ist er verrückt? Ist er besessen von seiner Sammelleidenschaft? – Sicher von allem ein wenig. Aber das ist nicht alles. Bitte stellen Sie sich vor, Sie sind im Kino und sehen einen historischen Film. Hinter Ihnen sitzen zwei ältere Herren. Rein äußerlich ganz normal. Aber sie reden dauernd dazwischen. Es gibt Cäsar und Kleopatra.
Der eine amüsiert sich über die falschen Römer, die Bewaffnung, der Panzer ist unmöglich, die Beinschienen schon seit 100 Jahren nicht mehr üblich und Cäsars Helm kann man höchstens der freiwilligen Pankower Feuerwehr aufsetzen und die ägyptisierende Kleopatra ist einfach eine Katastrophe. – Historiker? Archäologen? Nein. Die gehen nicht in solche Filme. Unter ihrer Würde. – Das waren zwei Zinnfigurensammler. Also Besserwisser? Nicht unbedingt. Eher Amateurhistoriker. Interessierte Dilettanten. Dazu braucht man Bücher über fast alles, was das Sammelgebiet berührt. Als Altertümler müssen sie wissen, wie die Tiere damals aussahen. Wie die jeweilige Vegetation war. Der Kampf zwischen David und Goliath fand im Eichgrund statt, wo heute Wüste ist. Sie müssen etwas von der Architektur verstehen und Modellbauer sein – kurz ein Leben reicht nicht aus. Ein Sammler braucht mindestens drei. Ein Sammlerfreund erzählte mir, dass er, wenn er im gleichen Tempo weitermalt in 226 Jahren seinen Zinnsarg aufgelöst hat. Zinnsarg nennt der Sammler seine vielen unbemalten Figuren, die er noch in den Schränken hat. Das hindert ihn aber nicht immer weitere zu kaufen. Es ist schon eine Leidenschaft, aber eine liebenswürdige. Dabei erwerben sich diese Menschen (es sind auch viele Frauen darunter und oft die besten) ein Spezialwissen, das so genannte Experten in Verlegenheit bringen kann. Sie wissen, was Experten sind? Leute die ein Leben lang an einem Problem arbeiten, das es ohne sie gar nicht gäbe. Warum sollten sie auch Probleme lösen, von denen man gut leben kann?
Dieses Zinnfigurenmuseum, um wieder auf unser heutiges Fest zurückzukommen, war unter anderem eine Begegnungsstätte für die Sammler. Ein Forum für ihre sonst nur im Verborgenen ruhenden Schätze und ein Ort um Meinungen und Wissen auszutauschen. Das wurde meines Wissens von allen wirklichen Sammlern mit Begeisterung angenommen.
Darin sehe ich auch die Zukunft dieses Hauses. Um nicht in musealem Staub zu erstarren, bedarf es immer wieder neuer Ausstellungen, Herausforderungen, Ansichten, Entwicklungen. Das heißt ein geeigneter Sonderausstellungsraum, in dem unterschiedliche Gruppen oder Personen ihre Schätze, ihr Wissen, ihre Betrachtungsweise der Öffentlichkeit vorstellen können, in regelmäßigen, von den Verantwortlichen festzulegenden Abständen. Wobei eine sorgfältige Qualitätsauswahl nicht fehlen sollte. Die Erwartungen der Sammler sind hoch. Warten wir’s ab! – Darf ich zum Schluss noch ein Ringelnatz-Zitat loswerden. Nicht, was Sie jetzt denken: ‚Die Zinnfiguren sind Verbindung zwischen Kunst und Kind und uns, den alten Leuten.’ – Nein, Zitat: ’Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden dieser Welt, sind jene aus denen wir trinken!’ Auf dieses Haus!“

Die ständigen Ausstellungen im Museum:
1.Weltkulturerbe Goslar in Zinn, das tausendjährige Goslar, Altstadt und Bergbau, werden in ca. 50 Dioramen dargestellt.
2. Der 30-jährige Krieg.
3. Kennen Sie Märchen? Ein Quiz mit allen ausgestellten Märchen zum Nachlesen.
4. Historische Zinnfiguren.
5. Eigene Werkstatt mit Zinnfiguren-Gießen und – Verkauf.