38640 Goslar
Klapperhagen 1
Tel. 05321 / 25 88 9
Fax 05321 / 33 97 88
HISTORISCHES
ZINNFIGUREN
M  U  S  E  U  M
G  O  S  L  A  R
Öffnungszeiten
Nov. - März 10.00 - 16.00 Uhr
Apr. - Okt. 10.00 - 17.00 Uhr,
montags geschlossen
 

 Oberharzer Wasserwirtschaft

oberharzer wasserwirtschaft - grossdiorama

Die Ausstellung zeigt die Entstehung der Oberharzer Wasserwirtschaft und das Zusammenspiel der einzelnen technischen Bauwerke, welche zur Wasserspeicherung und dessen Weiterleitung in die Bergwerke errichtet wurden. Insgesamt wurden 120 Stauteiche, etwa 500 Kilometer Gräben, ca. 30 Kilometer Wasserläufe und rund 100 Kilometer Wasserlösungs-stollen geschaffen. Begonnen wurde mit Muskelkraft. Später kam die Haspel hinzu, dann die Kunst- und Kehrräder. Teiche, Dämme, Gräben mussten gebaut werden; ebenso Striegelhäuser, Radstuben, Feldgestänge und vieles mehr. All dies wird beispielhaft gezeigt und wenn möglich, auf Geopunkte des Geoparks Harz – Braunschweiger Land – Ostfalen und auf weitere Informationsstellen des unter Schirmherrschaft der UNESCO befindlichen Geoparks hingewiesen.

 

1. Wasserknechte

Im Mittelalter mussten Wasser-knechte mit Ledereimern eine Kette bilden, um das ständig nachsickernde Wasser aus den Gruben herauszubringen.

Eine schwere körperliche Arbeit, die nur bis zu einer Tiefe von ca. 20 Metern möglich war.

 wasserknechte

2.    Sümpfung mit der Handhaspel

Schon einfache Technik erleichterte die Entwässerung der Gruben. Mit der Handhaspel brauchte man nur zwei Bergleute, um die wasser-gefüllten Eimer nach oben zu ziehen.

 suempfung mit der handhaspel 1

suempfung mit der handhaspel 2

3. Reparatur unter Tage

Die gesamten technischen Einrichtungen waren aus Holz und dementsprechend reparatur-anfällig.

Bergzimmerleute mussten unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen in Dunkelheit und Enge diese schwere Arbeit verrichten.

reparatur unter tage

4.    Kunstrad mit Feldgestänge

Durch das Kunstrad konnten die Gruben statt mit Muskel-kraft mit Wasserkraft gefüllt werden (Wasser hebt Wasser).

Oft lagen die Schächte höher im Gelände, als das Wasser herangeführt werden konnte. Dann wurde mit Hilfe von Feldgestängen (Parallelo-gramm) die Kraft vom tiefer gelegenen Kunstrad zum Schacht übertragen. Das war manchmal über eine Strecke von bis zu 1000 Metern notwendig!

(Zu sehen am Carler Teich / Clausthal-Zellerfeld und am Maaßener Gaipel / Lautenthal)

kunstrad mit feldgestänge
 

5.    Tierwelt im Harz

In den gemäßigten Zonen hat der Mensch die Wälder größtenteils gerodet; der Bestand der Pflanzen- und Tierwelt veränderte sich tiefgreifend. Aufgeforstet wurde nur in Monokulturen. Die großen Waldgebiete waren im 10. Jahrhundert vorwiegend Jagdreviere, eine gnadenlose Verfolgung des Wildes setzte ein. Unter Einwirkung der zunehmenden Luftverschmutzung und des sauren Regens setzte sich das Waldsterben in immer schnellerem Tempo fort, der Massentourismus tut sein Übriges. Viele Tierarten stehen kurz vor dem Aussterben; so war der Luchs ursprünglich weit verbreitet. Aber als gefährliches Raubtier wurde er gnadenlos verfolgt; ebenso eine große Zahl von Greifvögeln. Und wie lange werden wir noch einen Auerhahn, den Vogel des Harzes, bei der Balz in seinem Bergrevier beobachten können?!

tierwelt im harz 2tierwelt im harz

 

6.    Schmiede

Auch massive Schmiede-hämmer wurden durch Wasser-räder angetrieben und ermög-lichten den Bergschmieden ihre schwere Arbeit.


(Zu sehen im Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld)

 schmiede

7.    Erzaufbereitung

Das aus den Gruben geförderte Erz musste für die Verhüttung aufbereitet werden. Größere Stücke wurden von Pochknaben zerkleinert (gepocht) und sortiert.

Mit Wasserkraft über eine Nockenwelle angetriebene Stampfhämmer (Pochstempel) zerkleinerten das Erz weiter (vergleichbar mit der noch vorhandenen Mühlentechnik im Erdgeschoss dieses Museums).

Auf Planherden wurden leichtere Bestandteile (Neben-gestein) mit Wasser weg-geschwemmt und die schweren Erze blieben zurück.


(Zu sehen im Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld)

erzaufbereitung

 

8.    Gefluderbau

In schwierigem felsigem Gelände konnte man keine Gräben ausheben. Man hat deshalb hölzerne Gefluder als offene Wasserleitungen gebaut, um den Zufluss zu den Wasserrädern zu ermöglichen.

Später setzte man dort, wo es möglich war, die witterungs-unbeständigen und reparatur-anfälligen Gefluder durch aus dem Fels gesprengte Gräben.

(Zu sehen am Rehberger Graben)

 gefluderbau

9.    Abwiegen des Grabens

Häufig musste das Wasser über weite Strecken herangeführt werden.

Um auch die Wasserräder der hoch gelegenen Gruben zu erreichen, versuchte man, das Gefälle der Gräben gering zu halten.

Die Markscheider (Vermes-sungstechniker) hatten die Aufgabe, auch im bergigen Gelände dieses Ziel zu erreichen. Dazu standen ihnen nur einfache Hilfsmittel wie Kette und Winkelmesser zur Verfügung.

abwiegen des grabens

10.   Beheckung im Winter

Das Einfrieren der Gräben im Winter behinderte den stetigen Zufluss zu den Wasserrädern. Um das zu verhindern, legte man Rundhölzer über die Gräben, welche dann zum Schutz vor Eis und Schnee mit Fichtenreisig (Hecke) abge-deckt wurden.

 beheckung im winter

11.      Grabenbau

Um den Wasserlauf zu gewährleisten, wurden Gräben ausgehoben, mit Rasensoden seitlich abgedichtet und Trockenmauerwerk davor-gesetzt. Das Aushubmaterial des Grabens wurde zur Talseite als Grabenweg angelegt und diente dem Grabenwärter als Kontrollweg.

Heute sind sie beliebte Wanderwege mit geringstem Gefälle entlang der Gräben.

grabenbau

12.      Dammbau

In mühsamer Handarbeit mit Spitzhacke, Schaufel und Laufkarren wurde der Erddamm aufgeschüttet und festgestampft.

Bei den Teichdämmen musste die Wasserseite abgedichtet werden. Dazu verwendete man abgestochene Rasensoden, da Ton und Lehm als Dichtungsmaterial im Oberharz kaum vorhanden war.
dammbau

13.      Striegelhaus im Winter

Bis 1714 stand das Striegelhaus zur Regulierung der Wasser-entnahme im Teich (alte Bauweise).

Durch Heben und Senken des Striegelzapfens wurde der Abfluss des Wassers durch das im Damm liegende Holzrohr geregelt.
Eisbildung im Winter konnte die Anlage zerstören und war eine ständige Bedrohung, weshalb die Bergleute die Eisfläche um das Striegelhaus freihacken mussten.


(Zu sehen am Carler Teich / Clausthal-Zellerfeld und am Kranicher Teich / Hahnenklee)
striegelhaus im winter

14.      Umbau eines Teichdamms

Die neue Art des Dammbaus bedeutete einen großen Fortschritt.
Ab 1715 wurde die empfindliche Striegelein-richtung in den Damm verlegt. Damit stand nun das Striegelhaus auf dem Damm.

Da auch die Abdichtung mit Rasensoden an der Wasserseite des Dammes problematisch war (Mäuse, Eisschollen), wurde auch die Dichtungsschicht mit Rasensoden in den Damm verlegt.

umbau eines teichdamms
 

Großdiorama

15.      „Kehrrad zur Erzförderung“

Das Kehrrad konnte in zwei Richtungen gesteuert werden: Die Erztonne wurde gefüllt nach oben gefördert, leer wieder in die Tiefe.

(Zu sehen im Weltkulturerbe Rammelsberg, Goslar, und Grube Samson, St. Andreasberg)

Das vom Kehrrad ablaufende Wasser trieb anschließend das hier tiefer liegende Kunstrad an.

 kehrrrad zur erzförderung

„Wasser hebt Wasser“

Von diesem Kunstrad wurde die Kraft über ein Feldgestänge zum höher gelegenen Schacht übertragen und trieb dort die Pumpenkunst an.


(Zu sehen am Carler Teich in Clausthal-Zellerfeld und am Maaßener Gaipel in Lautenthal)

Das vom Kunstrad abfallende Wasser wurde auf ein weiteres Wasserrad geleitet.

wasser hebt wasser 2

wasser hebt wasser 1

 

„Fahrkunst“

Hier treibt das Kunstrad die Fahrkunst an, eine Oberharzer Erfindung (1833), die den Bergleuten das Ein- und Ausfahren erleichterte.


(Zu sehen im Weltkulturerbe Rammelsberg, Goslar, und Grube Samson, St. Andreasberg)
So wurde dasselbe Wasser auf vielen Wasserrädern genutzt.

fahrkunst
 

„Fehlschlag am Graben“

Wie bei der Ausflut am Teich verhinderten auch an den Gräben „Fehlschläge“ die Zerstörung der Anlagen durch überlaufendes Wasser. Durch eingesetzte Bretter konnte der Wasserstand im Graben reguliert werden.


(Zu sehen an vielen Gräben der WasserWanderWege)
 

  „Auffahren eines Wasser-laufs“

Lange, wartungsaufwändige Grabentouren konnten durch die Anlage unterirdischer Wasserläufe oft erheblich verkürzt werden.


Der Markscheider legte den Verlauf über Tage fest (hier Stangen auf dem Berg). Über einen Schacht oder einen anderen Zugang wurden die Messpunkte per Kettenzug und Winkelberechnung zur Bau-stelle im Berg übertragen.
Auf diesem Weg wurde auch das gelöste Gestein und nachsickerndes Wasser aus dem Berg gefördert.


Hatte man mehrere Ansatzpunkte, war es möglich, mehrere Bautrupps gleichzeitig arbeiten zu lassen. Der Markscheider musste dabei ständig nachmessen, dass Richtung und Gefälle eingehalten wurden.

Der „Durchschlag“, die Fertigstellung eines Stollens, war immer ein besonderes Ereignis.
auffahren eines wasserlaufs
 

„Teich mit Ausflut“

Teiche waren die Energie-speicher des Bergbaus. Läuft ihnen jedoch durch Schneeschmelze oder Stark-regen zu viel Wasser zu, droht ein Bruch der Erddämme. Die feste Ausflut am Ende des Damms ist niedriger als die Dammkrone und dient als automatischer Überlauf.
Das überlaufende Wasser wird nach Möglichkeit in andere Teiche geleitet.


(Zu sehen am Herzberger Teich, am Rammelsberg in Goslar und an fast allen Teichen der Oberharzer Wasserwirtschaft)

 
 

 

Weitere Informationen erhalten sie auch auf der Internetseite Grabenwaerter.de