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Dieses Poster (Die 52 Regenten des 1. Deutschen Kaiserreichs) können Sie bei uns im Museum oder in unseren Onlineshop erwerben.

 

Heinrich I. 919 - 936 n. Chr.
Am Vogelherd zu „Quedlinburg“

 Er war erster deutscher König aus dem Stamm der Sachsen. Die germanischen Fürsten hatten ihn wohl eher zum Heerführer gegen die damals räuberischen Ungarn gewählt. Die Legende besagt, dass Heinrich die Nachricht von seiner Wahl zum deutschen König erhielt, als er sich auf dem Vogelfang befand. So ging er als „Heinrich der Vogler“ in die Überlieferung ein. Nach der „annalisto saxso“ gründete er 922 die Siedlung GOSLAR. Mit den ständig ins Reich fallenden Ungarn schloss er einen Waffenstillstand; er sicherte das Reich durch Anlegen fester Burgen, die Befestigung offener Städte und die Aufstellung von Panzerreitern. Sein wichtigster Regierungssitz war die Pfalz Werla an der Oker. Heinrich I. wurde in Quedlinburg beigesetzt.

  

Heinrich IV. 1056-1106 n. Chr.
In Canossa 

Heinrich IV. wurde im Jahre 1050 in Goslar geboren. Als er 6 Jahre alt war, starb sein Vater, Heinrich III. - Der Sohn konnte die Machtstellung seines Vaters gegenüber dem Papst und den Fürsten nicht erhalten. Der Kirchenbann Heinrichs IV. war Ausdruck des Höhepunktes der Machtkämpfe zwischen ihm und Papst Gregor VII. 1073 wandten sich die Fürsten gegen ihn. Auf Verlangen der deutschen Fürsten zog Heinrich im Winter 1077 nach Canossa/Italien, wo der Papst erst nach drei Tagen Bußzeit den Kirchenbann aufhob. Später hat Heinrich Papst Gregor abgesetzt und einen Papst eigener Wahl eingesetzt. 

 

FRIEDRICH  I.  BARBAROSSA 1155 – 1190
DER KNIEFALL VON CHIAVENNA 1176

Kaiser Friedrich Barbarossa wollte die frühere Macht des Römerreiches wiederherstellen, stieß jedoch auf den erbitterten Widerstand der oberitalienischen Städte, die von Papst Alexander III. unterstützt wurden. Für seine Hilfe hatte er dem Braunschweiger Fürsten, „Heinrich der Löwe“, das Herzogtum Bayern als Lehen zugesprochen. Als Friedrich erneut Hilfe erbat, verlangte sein Vetter Heinrich dafür Goslar und den Rammelsberg; der Kaiser lehnte ab. Heinrich war daraufhin nicht zur Heerfolge bereit. Später wurde der mächtige Heinrich verbannt und ging zu seinem Schwiegervater, dem König von England. Auch das bayrische Lehen wurde  ihm wieder abgenommen. So endete der Streit der beiden überragenden politischen Figuren des 12. Jahrhunderts zugunsten des Kaisers.

 

Goslar in kaiserlicher Zeit

 Der Harz wird im 10. Jahrhundert durch die Wahl Heinrich I. zu einer bedeutenden Stütze der Königsmacht. Er ist Reichsbannforst und Jagdgebiet der Herrscher. Rund um das Gebirge zieht sich eine Kette von Pfalzen, königlichen Jagdhöfen und Burgen, städtischen Siedlungen, Bischofssitzen und Klöstern, die der Sicherung der Grenzen und des königlichen Besitzes dienen.

Durch die Silberfunde am Rammelsberg, die 968 erstmals urkundlich erwähnt werden, verlagerten sich die Interessen der Herrscher mehr und mehr nach Goslar. Der Rammelsberg war so etwas wie die Schatzkammer des Reiches, so eine Art „Deutsche Bundesbank“; aus seinem Silber wurden Münzen geprägt.

Alle bedeutenden Könige des Reiches kamen nach Goslar, den sächsisch-ottonischen  Herrschern folgten die Salier, diesen die Staufer. Zwischen 1000 und 1250 gehört die Pfalz zu Goslar zu den wichtigsten Zentren großer Politik. Davon zeugen zahlreiche Hof- und Reichstage, Synoden, Feste und hochkarätige Herrschaftstreffen, wie z. B. 1056, als sich zur Weihe der Stiftskirche St. Simon und Judas Thaddäus, Kaiser Heinrich III. und Papst Viktor II. in Goslar trafen.

Die deutschen Könige und Kaiser des Mittelalters hatten keine Hauptstadt, sondern zogen mit ihrem Hof, ihrer Familie und einem Gefolge aus Fürsten und Bischöfen durch die Reichsteile: von der der Nordsee bis über die Alpen nach Italien, von Burgund bis zu den Grenzgebieten im Osten, überall im Reich gab es Orte, Bischofssitze, Burgen und Pfalzen, die verpflichtet waren, gastliche Aufnahme auszuüben. Besonders glanzvolle Zeiten erlebte die Pfalz unter den salischen Herrschern. Sie nannten Goslar „clarissimum domicilium regni“ (die glänzendste Wohnstätte des Reiches) – was so viel bedeutete wie: das wunderbarste Zuhause der Herrscher.

Kaiser Heinrich III. ließ die Aula regis erbauen und den „Dom“; in Goslar wurde sein Sohn, der spätere Heinrich IV., geboren, und als Zeichen seiner Liebe und Verbundenheit wurde des Herz Heinrich III. in Goslar beigesetzt. Es befindet sich heute in einer Metallkapsel im Sarkophag in der Ulrichskapelle am Kaiserhaus. Seine Gebeine ruhen in der Familiengrablege – dem Dom zu Speyer.

 

 

Der Kaiser- und Reichsgedanke bei den Deutschen

 Den Römern sagt man ja nach, dass sie Meister im Kopieren fremder Kulturen waren (Etrusker, Griechen).

Aber zwei Dinge haben sie selbst erfunden: den Kaiser (Verwaltungs- und Machtorgan) und den Rundbogen (Straßen- und Brückenbau). Beides war zur Beherrschung und Versorgung des gewaltigen Reiches notwendig.

 Der Gedanke des Kaisertums wurde rund fünf Jahre nach dem Untergang Roms wieder aufgegriffen. Im Jahre 800 wurde der fränkische König Karl vom Papst zum Kaiser gekrönt. Gleichzeitig ist dies auch der Beginn des romanischen Baustils nördlich der Alpen. Nach der Auflösung des Reiches unter Karls Nachfolgern zerfiel es in 3 Teilreiche. Unter den sächsischen Königen wurde der Reichsgedanke erneut aufgegriffen. De jure existierte dieses „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ bis zu seiner Auflösung durch Napoleon im Jahre 1806, obwohl die kaiserliche Macht zugunsten mächtiger Fürsten und Könige geschwächt war. Lebendig blieb der Gedanke einer Einheit aller Deutschen auch in der Sage vom Kaiser Rotbart im Kyffhäuser. Ein 2. Deutsches Reich wurde unter Führung Preußens nach dem Sieg über Frankreich im Jahre 1871 mit der Kaiserkrönung des preußischen Königs in Versailles geschaffen. Dieses endete mit der Niederlage Deutschlands im 1. Weltkrieg. Auch das sogenannte 3. Reich endete mit einer –noch vernichtenderen- Niederlage nach nur 12 Jahren.

 Wir sehen, der Reichsgedanke ist den Deutschen in neuerer Zeit schlecht bekommen. Im Kaisersaal des Römers zu Frankfurt sind alle 52 Deutschen Regenten zu sehen.

 Von besonderer Bedeutung für Goslar waren, Heinrich I., der Goslar gründete, Otto I. sein Sohn, der den Bergbau in Goslar begründete, Heinrich III., der Kaiserpfalz und „Dom“ erbauen ließ, und Heinrich IV., unser Lieblingskaiser, der in Goslar geboren wurde.