38640 Goslar
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HISTORISCHES
ZINNFIGUREN
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Öffnungszeiten
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Vortrags- und Führungsreihe

„Erklärungs-Modelle -

Die frühe Zeit und das Goslar Heinrichs III. in Zinn (900 – 1056)“

Kurator: Thomas Moritz, Archäologe/Bauforscher und Förderpreis-Träger der Stadt Goslar

 Vorträge

Zahlreiche, meist „sagenhafte“ Erklärungen finden sich, wenn es um die Geschichte Goslars und des Rammelsberges geht: die Gründung des „Wik Goslar“ durch Heinrich I., die Entdeckung des „Reichtums“ im Rammelsberg durch Ritter Ram(m) oder die Schaffung der Stadt – „da,  wo einst eine Mühle, ein (Fisch-)Teich und ein Forsthaus der Könige waren“ zur Zeit Kaiser Heinrichs III. (HRR).

 In den letzten Jahrzehnten hat sich durch den Einsatz des fachübergreifenden Forschens eine sehr viel bessere Sicht auf die Zeit des 10. und 11. Jahrhunderts im ottonischen und salischen Goslar erzielen lassen. Historische Überlieferungen (Sagen und Märchen), Schriftquellen (Urkunden und Akten), grabungstechnische-, archäologische- und baugeschichtliche Befunde, Sachfunde (Keramik, Metall, Stein, Knochen, Glas usw.) und – in Verbindung dazu – die Ergebnisse der Messtechniken und vieler weiterer Fachbereiche wie Geologie, Hydrologie, Botanik usw. erlauben in der großen Vielfalt ihrer Ergebnisse eine teilweise atemberaubende Möglichkeit, das frühe Goslar zu rekonstruieren – doch immer noch nicht abschließend und mit teilweise großen Fragezeichen. Dann kommen interessanter Weise auch die alten Sagen wieder neu ins Spiel! 

Der Beleuchtung von alten Problematiken, wie zum Beispiel „das Alter des Kaiserhauses“, soll in einem spannenden „Puzzle“ aus verschiedensten (Forschungs-) Einzelteilen nachgegangen werden. 

Kommen wir „hin“, zu Heinrich III.?

Wie könnte das Modell (Diorama) von Heinrichs Bau aussehen?

Was ist da dann „wo“ und „warum“?

 Es gibt also viel Neues zu erfahren und zu sehen.

 Exkursionen

 Exkursion 1:

Der Kaiserhausbaukomplex auf dem Liebfrauenberg setzt sich aus mehreren Bauteilen verschiedener Zeitstellungen zusammen. Allgemein wird das heutige „Kaiserhaus“ in seinen Anfängen in die Mitte des 11. Jahrhunderts datiert und direkt mit Kaiser Heinrich III. HRR in Verbindung gebracht. Es soll aber Vorgänger-Bauten geben, so z.B. die Reste einer Pfalz-Anlage des Kaisers Heinrich II. HRR, und die Liebfrauenkirche der Kaiserin Gisela. Wie verhält es sich mit den Baulichkeiten der St. Ulrichs-kapelle und dem „Wohnbereich“ im Süden des Bau-Komplexes? In einer Bauaufnahme vor Ort werden die einzelnen Phasen erklärt. Was aber berichten die Schriftquellen? Kann eine Kongruenz zu den Baulichkeiten geschaffen werden?

 Exkursionen 2 und 3:

Der Flurname „Gos-lar“ ist sehr alt. Erstmals sicher genannt wird „Goslar“ in der Zeit um das Jahr 1000 n. Chr. und zwar im Zusammenhang mit Kaiser Heinrich II. HRR. Es gibt aber auch einige Nachrichten und Informationen, die in eine noch frühere Zeit führen, aber sehr vorsichtig gedeutet und verortet werden müssen. Das heutige Erscheinungsbild der Stadt wird dabei als ein Projekt späterer Zeit erkannt. Es gibt Vorgängersiedlungen im „Gos-lar“, die diesen etwa 2 Quadratkilometer Raum (teilweise) füllten und den Ausgang für den heutigen Ort bildeten. Dabei müssen wir immer wieder auf das Wasser achten. Aber nicht nur auf die natürlichen Fließgewässer wie die „Gose“ oder den „Klausbach“, sondern auch auf die Entwässerung der Grubenanlagen des Rammelsberges, die „Wasserbreeken“. Eingebettet in die Topographie im „lar“ finden sich frühe Siedlungsplätze: das „Bergdorf“, der „Frankenberg“, die „villa romana“, das „Vorwerk“, die „Lamborg“, einige „Kapellensiedlungen“ und das sagenhafte „Wik“ Heinrichs I. HRR. Auch ausserhalb des heutigen Altstadtgebietes finden sich wichtige Anlagen der frühen Phase: St. Georg/Georgenberg und St. Peter/Petersberg.

Wie wurde aus dem „-lar“ der Ort und aus dem Ort die „Stadt“ und welche Rolle spielt dabei Heinrich III. HRR?

Exkursion 4:

Den Abschluss der Exkursionsreihe bildet der Besuch auf dem heute so genannten „Domplatz“. Hier wurde bis zum Jahr 1050 die Lieblingsschöpfung Heinrichs III., die Stiftskirche St. Simon und Judas-Thaddäus errichtet. Glanzvoll wurde der Kirchenbau vom Erzbischof von Köln damals eingeweiht. Einige Jahre (September 1056) später kam Bischof Gebhard von Eichstätt als Papst Victor II. nach Goslar und sollte großartig empfangen werden. Allein, das Goslärsche Wetter spielte wieder einmal nicht mit. Als der Papst dem Kaiser gegenübertreten wollte, fing es so zu regnen an, dass man sich (wohl in der Kirche) „unterstellen“ musste.

 Die Stiftskirche St. Simon und Judas ist als Baulichkeit heute (bis auf die zeitlich jünger zu datierende Vorhalle) verschwunden, sie wurde 1819 an einen Maurermeister „auf Abbruch“ verkauft. Doch sind wir anhand von Zeichnungen und Plänen und auch durch etliche schriftliche Nachrichten (Akten und Urkunden) recht gut über das Aussehen und die Ausstattung des Bauwerks unterrichtet. In der „Rückwand“ der Vorhalle finden sich höchst interessante Hinweise zu wichtigen Bau-Details.  

Doch nicht nur das Kirchenbauwerk soll uns interessieren. Auch die sogenannte „Immunität“, der Stiftbereich soll erschlossen werden. Nach dem völlig überraschenden Tod Heinrichs III. (im Beisein des Papstes = 05. Oktober 1056, Bodfeld/Harz) wurde die Stiftskirche zum Aufbewahrungsort des Herzens (pars pro toto) des Kaisers bestimmt, sein Körper ruht in Speyer. Wir wollen auch dieser Tatsache gedenken.

Termine

Vorträge

Die Vortragsreihe soll zum Beginn des Heinrichs-Jahres 2017 fachüber-greifend-wissenschaftlich, mess-technisch – und dann anhand von  ausgewählten Modellen von „Orten und Bauten in Zinn“ einen Überblick zum derzeitigen Stand der Kenntnisse um die frühen Phasen (prä-urban) des Flurnamens „Gos-lar“ geben. Der einführende Vortrag (mit vielen Lichtbildern) und die Präsentation des Zinnfiguren-Dioramas dauern jeweils etwa 90 Minuten, danach ist Zeit für die Diskussion.

Die Reihe findet in den Räumen des Zinnfiguren-Museums Goslar an folgenden Tagen, jeweils ab 19:30 Uhr, statt:

 27. Januar „Zur frühen Topographie und Hydrologie  Goslars -
Wasser, Bergbau, Vorgängersiedlungen“

17. März „Vom Flurnamen zur Boomtown – und was „Ritter Ram(m)“ und  „dass niemand in de Gose kaket“ (wohl) wirklich bedeuten“

12. Mai „Das Kaiserhaus und sein Umfeld – grabungstechnische, archäologische und kunst- und baugeschichtliche Betrachtungen“

16. Juni „Die Stiftskirche St. Simon und Judas – historische Nachrichten, archäologische, bau- und kunstgeschichtliche Bemerkungen“

 Die Teilnehmerbegrenzung liegt bei 35 Personen. Bei Bedarf werden Zusatztermine am 28.01./, 18.03./, 13.05./ und 17.06. angeboten. Karten sind ab dem 02. Januar 2017 im Museum erhältlich.

Ein Unkostenbeitrag von 5 Euro pro Veranstaltung wird erhoben.

 17. Juni 2017, 16.00 Uhr, Zinnfiguren-Museum: Enthüllung des Dioramas

 „Kaiser Heinrich III. erscheint in seinem Pfalzbezirk in Goslar“

 Er erzählt über seine Familie, sein Leben, was er alles in Goslar bewirkt hat und über seine Vorgänger und Nachfolger.

 „Um diese Zeit (1040) gründete Kaiser Heinrich III., die ungeheuren Schätze des Reiches benutzend, Goslar in Sachsen, welches er, wie es heißt, aus einer kleinen Mühle oder Jägerhütte formend, mit gutem Glücke schnell zu der so großen Stadt, als welche es sich uns darstellt, erhob. In derselben baute er auch für sich einen Palast und stiftete daselbst zwei Klöster zu Ehren Gottes des Allmächtigen…“ (Adam von Bremen, Hamburgische Kirchengeschichte, um 1100) 

 Exkursionen

Nachdem in den voraus gegangenen Monaten ein Grundwissen über die topographischen und baulichen Verhältnisse Goslars in der frühen Zeit (10. Jh. Bis Mitte 11. Jh.) in Vorträgen und Dioramen vorgestellt wurde, soll anschließend auf 4 Exkursionen ein „Besuch vor Ort“ erfolgen.

Der Startpunkt ist jeweils um 19:00 Uhr vor dem Zinnfiguren-Museum. Die Dauer beträgt 120 Minuten. Ein Unkostenbeitrag in Höhe von 5 Euro pro Exkursion wird erhoben. Folgende Termine sind vorgesehen:

 07. Juli            Kaiserhaus Baukomplex

28. Juli            Topographie I

12. August       Topographie II

26. August       Stiftskirche St. Simon und Judas

 Flyer